Lise Bourbeau

Alle Probleme auf körperlicher, emotionaler und geistiger Ebene gehen nach Meinung der spirituellen Lehrerin Lise Bourbeau auf fünf Seelenwunden zurück: Ablehnung, Verlassenwerden, Demütigung, Vertrauensbruch und Ungerechtigkeit. Wenn wir uns diese Wunden mitsamt der dazugehörigen Masken (Strategien), die wir entwickelt haben, um die Wunden vor uns und der Welt zu verbergen, bewusst machen, können wir unsere Masken akzeptieren und Schuldgefühle, Scham und Angst in Eigenliebe verwandeln.

Lise Bourbeau, die ehemalige Schülerin der spirituellen Lehrerin Louise Hay, hat herausgefunden, dass alle Menschen unter einer oder mehreren Seelenwunden leiden, die wir uns in den ersten fünf Lebensjahren zugezogen haben und die in vier Etappen entstehen. In der ersten Etappe nach der Geburt sind wir noch wir selbst: Göttliche Wesen, die sich selbst erfahren wollen. In der zweiten Etappe leiden wir an der Erkenntnis, dass wir nicht so sein können, wie wir sind, da die Welt der Erwachsenen um uns herum dies nicht akzeptiert. In der dritten Etappe lehnen wir uns gegen die Eltern auf und werden wütend. In der vierten Etappe schließlich resignieren wir und entschließen uns dazu, eine Maske zu tragen, um die Liebe zu den Eltern nicht zu verlieren und um den Schmerz nicht mehr zu spüren, der dadurch verursacht wird, nicht mehr wir selbst sein zu dürfen.

Die fünf Seelenwunden

Die Maske hilft uns, uns vor dem Schmerz und der Scham zu schützen, nicht mehr wir selbst sein zu dürfen. Es gibt unzählige Situationen in der Kindheit, wo wir uns abgelehnt, verlassen, verraten, gedemütigt oder ungerecht behandelt fühlten. Die Stärke der Maske hängt von der Tiefe der Wunde ab und steht für ein ganzes Glaubens- und Verhaltenssystem, dass sich auch auf die Körperform niederschlägt. Lise Bourbeau hat fünf Seelenwunden mit den dazugehörigen Masken und Körperformen ausgemacht:

Die Wunde Ablehnung mit der Maske Flucht

Mögliche Gründe für die Ablehnung: Ich bin ein unerwünschtes Kind oder habe nicht das gewünschte Geschlecht. Das erste Auftauchen der Wunde findet von der Zeugung bis ins 1. Lebensjahr statt. In der Maske der Flucht haben wir das Gefühl, nicht existieren zu dürfen, halten uns für wertlos, wollen unsichtbar sein und sind dauernd auf der Flucht, kennen 1000 Vermeidungsstrategien, sind hin und her gerissen zwischen tiefer Liebe und unmäßigem Hass und fühlen uns unverstanden. Die größte Angst ist die Panik, die sich in Form von Platzangst, Höhenangst, Soziophobien oder generalisierter Angststörung bemerkbar macht. Der Körper ist schmal, dünn und verspannt.

Die Wunde Verlassenwerden mit der Maske Abhängigkeit

Mögliche Gründe für das Verlassenwerden: Die Mutter kümmert sich mehr um ein weiteres Kind, beide Eltern haben wenig Zeit für das Kind, längere Aufenthalte im Krankenhaus oder Krankheitsphasen der Mutter. Das erste Auftauchen der Wunde findet zwischen dem 1. und 3. Lebensjahr statt. In der Maske der Abhängigkeit sind wir das typische Opfer, leben symbiotische Beziehungen und brauchen viel Aufmerksamkeit und Unterstützung. Die größte Angst ist die Angst vor der Einsamkeit. Der Körper ist länglich, schmal und kraftlos, schlaff herabhängende Körperteile.

Die Wunde Demütigung mit der Maske Unterwürfigkeit

Mögliche Gründe für die Demütigung: Die Eltern schämen sich dafür, dass das Kind so schmutzig ist oder etwas Schlimmes angestellt hat, vor allem im Zusammenhang mit dem Toilettengang und der Sauberkeitserziehung. Auch im Bereich der Sexualität kann es zur Demütigung kommen, wenn die Eltern sich ihrer Nacktheit schämen oder dem Kind das Doktorspielen verbieten. Das erste Auftauchen der Wunde findet zwischen dem 1. und 3. Lebensjahr statt. In der Maske der Unterwürfigkeit schämen wir uns für selbst und andere, halten uns für schmutzig, herzlos, schweinisch und unterlegen. Die größte Angst ist die Angst vor der Freiheit, die mit Schrankenlosigkeit gleichgesetzt wird, weshalb wir uns selbst Zwänge auferlegen, um nicht über die Stränge zu schlagen. Der Körper ist dick und rundlich, verspannte Wangen und Nacken, dicker Hals.

Die Wunde Vertrauensbruch mit der Maske Kontrolle

Mögliche Gründe für den Vertrauensbruch: Starke Bindung des Kindes an das Elternteil des anderen Geschlechts (Ödipuskomplex) und das Gefühl, von diesem Elternteil verraten worden zu sein. Das kann der Fall sein, wenn das Kind einen fehlenden Elternteil ersetzen soll (bis zum Inzest). Das erste Auftauchen der Wunde findet zwischen dem 2. und 4. Lebensjahr statt. In der Maske der Kontrolle sind wir ungeduldig und intolerant, lügen, manipulieren und verführen, wollen unseren Verpflichtungen nachkommen und definieren uns über Leistung, zeigen unsere Verletzungen nicht, vertrauen uns nur schwer an und sind skeptisch, Hang zum Komiker. Die größte Angst ist die Angst vor Trennung und Verleugnung. Der Körper ist stark, muskulös mit gewölbtem Brust/Bauchbereich.

Die Wunde Ungerechtigkeit mit der Maske Starrheit

Mögliche Gründe für das Gefühl, ungerecht behandelt worden zu sein: Kinder leiden an der Autorität, Kritik, Strenge, Intoleranz, Gefühlskälte oder Angepasstheit des gleichgeschlechtlichen Elternteils. Das erste Auftauchen der Wunde findet zwischen dem 3. und 5. Lebensjahr statt. In der Maske der Starrheit sind wir perfektionistisch, verdrängen Gefühle, sind lebhaft und dynamisch, verlangen viel von uns selbst, findet es ungerecht, weniger, aber noch ungerechter, mehr als die anderen zu bekommen, respektieren unsere eigenen Grenzen nicht, geben Probleme nie zu, sind selten krank und hart mit unserem Körper. Die größte Angst ist die Angst vor der eigenen Gefühlskälte. Der Körper ist gerade, steif und möglichst in perfekter Haltung, steifer Hals, beißt die Zähne zusammen.

Wie wir unsere Seelenwunden heilen

Der Heilungsprozess vollzieht sich in der umgekehrten Reihenfolge des Entstehungsprozesses der Wunden, bis wir schließlich wieder bei den Ursprüngen angelangt sind. In der ersten Etappe erkennen wir unsere Seelenwunden und die Masken, um sie zu verbergen. In der zweiten Etappe sind wir im Widerstand, in der Auflehnung und in der Projektion und weigern uns, für unsere Masken die Verantwortung zu übernehmen. In der dritten Etappe gestehen wir uns das Recht zu, gelitten zu haben und den Eltern dafür böse gewesen zu sein. Wir beginnen, uns selbst und unseren Eltern zu verzeihen. In der vierten Etappe erkennen wir, dass wir die Masken nicht mehr brauchen, um uns zu schützen. Wir können wieder in den Selbstausdruck gehen, ohne uns schuldig zu fühlen, uns zu schämen oder zu bewerten.


 Lise Bourbeau: Heile die Wunden deiner Seele - Mit der Weisheit des Körpers tiefe emotionale Verletzungen heilen, Windpferd Verlag, 7. Auflage 2013, 12,95 €