„Ich fahre oft hoch wie ein Computer und nicht mehr runter“, beschreibt eine Klientin treffend das Gefühl, durch ein Trauma einen chronisch erhöhten Stresspegel zu haben. Dieses Buch handelt von Menschen, die ihren Körper als Quelle von Unwohlsein, Unlust, Nervosität und ständiger Anspannung erleben mitsamt der Unfähigkeit, in Gegenwart anderer Menschen zu entspannen. Ihnen kann geholfen werden durch das Beste, was die Traumatherapie zu bieten hat: Somatic Experiencing (SE), dem achtsamen Spüren und Wahrnehmen von körperlichen Empfindungen.

 

Ich habe als selbst Betroffener schon einige Bücher über Somatic Experiencing gelesen, auch vom Erfinder Dr. Peter Levine („Sprache ohne Worte“), doch dieses Buch bietet meiner Meinung nach die beste Einführung in die Welt der Traumata, insbesondere in die Welt des Beziehungstraumas, das ohne besondere Schockmomente auskommt und dennoch so nachhaltig ein erfülltes Beziehungsleben verhindert. Ich habe vor drei Jahren eine rund einjährige SE-Therapie gemacht und fühle mich seitdem – zum ersten mal in meinem Leben – in meinem Körper zu Hause.

 

Wie viele Traumatisierte habe auch ich als Schutz vor überwältigenden Emotionen meine Körperwahrnehmung abgeschaltet. In der körperorientierten Therapie habe ich nun wieder gelernt, in meine körperlichen Empfindungen hinein zu spüren und die unweigerlich damit verbundenen Gefühle wieder zu zu lassen. Da dies sehr behutsam und in einem verlangsamten Tempo und geschützten Rahmen passiert, können die eingefrorenen Empfindungen und die damit verbundenen Gefühle nach und nach wieder frei fließen. Ich habe die Prozesse, die in meinem Körper stattgefunden haben, als sanfte Entladung wahrgenommen. Damit einher ging eine sanfte, ja fast zärtliche Berührung des Herzens. Ich wurde wieder verletzlicher und berührbarer.

 

Sehr schön und anschaulich beschreibt die Autorin Isa Grüber die Prozesse, die im Körper bei emotionalen Überforderungen ablaufen. Besonderes Augenmerk legt sie dabei auf chronisch erhöhten Stress, der durch eine lang andauernde dysfunktionale Beziehung entsteht und als solcher kaum wahrgenommen wird, weil er im Lauf der Jahre so normal geworden ist. Durch den inneren Dauerstress entstehen jedoch psychosomatische Krankheiten wie Allergien, Asthma, Panikattacken, Depression und Dissoziation.

 

Da im Körper alles an Erlebnissen und den damit verbundenen Gefühlen abgespeichert ist, muss auch über den Körper ein Zugang zu den Erlebnissen und Gefühlen gelegt werden. Isa Grüber macht dies deutlich mit vielen psychosomatischen Beschwerden aus ihrer Praxis (Schlafstörungen, Migräne, Hitzewallungen, Schwindel, Schmerzen, Fibromyalgie und Restless-Legs-Syndrom) und sechs effektiven Selbsthilfeübungen, die sofort helfen. Besonders schnell hilft die 5-4-3-2-1-Methode. Ich kann mich noch genau erinnern, wie ich sie in der Hochphase meiner Depression angewandt und schnell Linderung erfahren habe. Vereinfacht gesagt geht es dabei darum, sich durch seine Sinneswahrnehmungen im Hier und Jetzt zu orientieren und fünf Dinge aufzuzählen, die man sieht, hört und spürt. Spätestens, wenn man bei einem Ding angelangt ist, ist der Grübelzwang und die Gedankenmühle vergessen und ich fühle mich entspannter und wohler.